Geschichte

Kirchseelte wurde urkundlich im Jahre 1211 als Selete erstmalig erwähnt. Aus den danach erstellten Urkunden ist zu erkennen, dass es in Selete zwei separate Siedlungen gegeben hat. Es wurde die Orte Honselethe (1231) und Dahlselte (1253) urkundlich erwähnt.

 

Territorialherren in dieser Zeit waren die Grafen von Bruchhausen. In der Folgezeit wechselten die Besitzverhältnisse häufig, da das Amt Harpstedt, zu dem Kirchseelte seinerzeit gehörte, als Pfand- oder Tauschobjekt genutzt wurde. Die Gebietsherrschaft übernahmen dadurch abwechselnd die Grafen von Hoya, die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, die Oldenburger und die Delmenhorster Grafen. Mit einem Feldzug eignete sich der Bischof von Münster das Amt Harpstedt für mehrere Jahrzehnte an. 1547 eroberte Graf Anton I. von Oldenburg die Stadt Delmenhorst und das Amt Harpstedt wieder zurück. Aufgrund von Verträgen fiel es 1667 dann an das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

 

Was so mit dem ganzen Amt Harpstedt geschah, geschah auch mit den einzelnen Hofstellen. Sie wurden verkauft, getauscht oder sogar verschenkt. Das Kloster Heiligenrode wurde dadurch Eigentümer der meisten Hofstellen in Klosterseelte. Dies war ausschlaggebend für die Namensänderung Dahlseltes, welches Klosterseelte genannt wurde. Honselethe wurde wegen der Kirche, die dort gestanden hat, später Kirchseelte genannt.

 

Während der Regentschaft des Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg wurde das Amt Harpstedt von Napoleon erobert. Zuerst war es französisch besetztes Gebiet, dann kam es zum „Königreich Westphalen“ und zum Schluss zum französischen Kaiserreich. Nach der Befreiung wurde auf dem Wiener Kongress am 10.12.1814 das Königreich Hannover gebildet. Im Deutschen Krieg kapitulierten die hannoverschen Truppen 1866 nach der entscheidenden Schlacht bei Langensalza. Danach war das Königreich Hannover bis 1918 preussische Provinz.

 

Der I. Weltkrieg

Kirch- und Klosterseelte waren von den Kriegshandlungen, die vor allem in Russland und Frankreich stattfanden, nicht unmittelbar betroffen. 102 Männer jedoch erhielten einen Gestellungsbefehl, und am Ende der fast vierjährigen Kriegsdauer beklagten die beiden Dörfer 20 Tote, die bei Kämpfen gefallen oder an Verletzungen gestorben waren.

 

Der II. Weltkrieg

Nach den Goldenen Zwanzigern, die 1929 in der Weltwirtschaftskrise endeten, übernahmen mit der letzten Reichstagswahl am 5. März 1933 die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland.

In Kirchseelte baute das Regime ab 1935 im Baßmerhoop, einem Waldgebiet im Dörferdreieck Kirchseelte, Dünsen, Gr. Ippener, eine militärische Anlage. Sie wurde bekannt unter dem Namen Luftmunitionsanstalt Dünsen (Muna). Hier wurde die Endmontage von Sprengkörpern durchgeführt.

Während Klosterseelte im Krieg fast keine Schäden zu verzeichnen hatte, wurden die Höfe in Kirchseelte bei 3 Luftangriffen nahezu vollständig zerstört.

Im April 1945 hatte der Spuk vom „Großdeutschen Reich“ für Kirch- und Klosterseelte ein Ende. Ohne Gegenwehr wurden beide Orte von englischen Truppen besetzt.

34 Einwohner aus Kirch- und Klosterseelte sowie Bürstel verloren durch den Krieg ihr Leben.

 

Flüchtlinge

Noch während des Krieges waren Personen, die in den Ballungszentren durch alliierte Bombenangriffe ihre Wohnung verloren hatten, unterzubringen. Nach Ende des Krieges kamen dann die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten dazu. Hatte Kirchseelte vor dem Krieg 358 Einwohner, so stieg die Zahl bis 1950 auf 823 Personen an. Um die Enge in dem zur Verfügung stehenden Wohnraum zu mildern, wurde begonnen, Bunker und Gebäude in der Muna zu Wohnzwecken herzurichten. Auch die Barackenunterkünfte, in denen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht waren, dienten anschließend der Flüchtlingsunterbringung.

 

Anfang der 50-er Jahre begannen die Flüchtlinge durch den Bau von neuen Häusern ihre Wohnsituation zu verbessern.


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